Viaggio da Berlino a Zante

 „Viaggio da Berlino a Zante oder Romantische Poetologie und Deutscher Idealismus auf den Ionischen Inseln“ ist ein Forschungsprojekt der Freien Universität Berlin in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und verfolgt den Transfer des klassisch deutschen Denkens, z.T. in italienischer Übersetzung, im 19. Jh. auf die Ionischen Inseln, vorwiegend auf Korfu, Cephalonia und Zante. Das Forschungsprojekt setzt sich zur Aufgabe, diese in der Literaturgeschichte unter der Bezeichnung „Ionische Schule“ eingegangene Konstellation eines Kultur- und Wissenstransfers zwischen „Deutschland“, „Italien“ und „Griechenland“ neu zu profilieren und ihre wesentlichen Bestimmungen als Epochenschwelle der neugriechischen (ästhetischen) Modernität herauszuarbeiten.

Berlin – inklusive der Streit- und Denkkultur der Friedrich-Wilhelms-Universität – bietet dabei ebenso thematische Ansätze wie bildungspolitische Orientierung, die es zu analysieren gilt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Krise der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland will das Projekt an ein vergessenes, aber keineswegs vergangenes, Kapitel der deutsch-griechischen Vergangenheit erinnern. Daraus entstand ein genuin europäisches, modernes Gebilde, welches nur in seiner Vermittlung mit den italienischen ästhetischen und kulturellen Formen und in seiner Verflechtung mit der britischen Kolonialpolitik verstanden werden kann. Das Projekt untersucht prozesshafte und habituelle Identitätskonstruktionen transnationaler, diasporischer Gemeinschaftsformen, welche in den Debatten um Postkolonialität und das Konzept des „cosmopolitanism“ anstelle der früher herrschenden Essentialisierung der zu untersuchenden Identitätskonstruktionen in den Vordergrund gerückt sind. Seine Relevanz hängt ferner zusammen mit der damit verwandten Frage nach den Modernisierungsschüben und Modernitätsbewusstseinsformen und nach den „multiple“ bzw. „alternative modernities“, und leistet einen Beitrag zur Verständigung von Berlin als geistig-kulturellem Ort der Bildung einer gemeinsamen europäischen Moderne.

Seiner Zielsetzung nach will das Forschungsprojekt mit einer trilateralen kultur-, literatur- und philosophiegeschichtlichen Fragestellung gerecht werden. Angestrebt wird die Untersuchung der Herausbildung philosophischer, gattungspoetischer und ästhetischer Entwürfe, welche sich die Dichter und Denker der Ionischen Inseln als Akteure des intellektuellen aber auch politischen Lebens vornehmen, sowie deren Vergleich mit konkurrierenden Entwürfen, die zeitgleich im italienischen, ionischen und nationalgriechischen Kulturraum entstehen.

Kulturgeschichtliche Annäherung

Michail Leivadiotis — Hybride Identitäten des ionischen Kulturraums: Netzwerke und Kulturtransferprozesse am Beispiel der Brüder Lountzis

Literarhistorische Annäherung

Angela Gioti — Zur Bildung einer „höheren poetischen Theorie“ auf den Ionischen Inseln: Eine Wirkungsgeschichte des „Germanismus“ im neugriechischen 19. Jahrhundert

Philosophiegeschichtliche Annäherung

Dimitris Karydas — Deutsche Philosophie als Mittler eines modernen geschichtlichen und sozialen Selbstverständnisses: Hegelianismus und Philosophie auf den Ionischen Inseln im 19. Jahrhundert.

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