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ATHENSYN II: GOING VIRAL: Ausstellung und Symposium für Zeitgenössische Griechische Kunst in Berlin

Panos Kompis

Panos Kompis

ATHEN§YN PROJECTS

STEINZEIT Galerie, Kottbusser Str. 11 10999 Berlin

Eröffnung: 20. Januar 2022, 17–21 Uhr

Dauer: 21. Januar–3. März 2022

Künstler*innen:

Ileana Arnaoutou, Sofia Dona, Maro Fasouli, Kyriaki Goni, Anestis Ioannou, Andreas Ragnar Kassapis, Panos Kompis, Latent Community, Maria Louizou, Collectif MASI, Irini Miga, Stefania Strouza, Maria Tsagkari, Ersi Varveri

Kuratiert von Sotirios Bahtsetzis und Katja Ehrhardt

News vom 07.01.2022

Globale Krisen wie die Covid-19-Pandemie fordern uns auf, uns als Menschen und Nationen im globalen Kontext neu zu positionieren. Die Folgen der Pandemie veranschaulichen buchstäblich die Bedeutung des Wortes „viral“, wie es auch im digitalen Kontext verwendet wird. Tausende von Leben können von den Handlungen eines Individuums abhängen, wenn sich Epidemien ausbreiten. Dies veranschaulicht unsere gegenseitige Abhängigkeit und die unmittelbare Wirkung eines Individuums auf das gesamte Kollektiv.

Es zeigt, wie eng wir mit unserer natürlichen Umwelt und der technischen Welt verbunden sind. Diesem Problem liegt eine kritische Frage zugrunde. Sehen wir uns als Opfer von Umständen wie einer Pandemie, dem Verlust individueller Freiheit durch Überwachung, einer Welt voller Ungleichheiten, oder bewegen wir uns in Selbstermächtigung und motiviertem Handeln in einem Verständnis von Solidarität und Einheit, wo nicht "Wir" gegen "die Anderen" stehen, sondern wo wir selbst unser schlimmster Feind sind? Wie "isoliert" fühlen und handeln wir als Individuen? Wie sieht Selbstermächtigung aus, wenn wir begreifen, dass wir nicht nur unser eigenes Schicksal erschaffen, sondern eine globale Realität? In der heutigen globalisierten Welt können wir unser eigenes „autonomes“ Handeln nicht mehr von unserer Umwelt trennen. Wir können es uns nicht mehr leisten, unabhängig vom Kollektiv über unseren eigenen Nutzen nachzudenken.

Die Ausstellung bezieht sich auf aktuelle Diskurse um Konzepte und Praktiken, die auf institutionelle, poetische oder gar anarchische Weise nach anderen Formen nachhaltigen Zusammenlebens suchen. Ausgehend von globalen Affektketten und translokalen Kontexten setzen die Diskurse rund um das Thema „Epistemologien und Ökologien der Sorge“ die Aufhebung der Trennung von handelndem Subjekt und behandeltem Objekt sowie die Anerkennung der Lebendigkeit aller Materie voraus. Damit leisten sie einen Beitrag zu einer ökologisch verträglichen Lebensweise, deren Schutzbedarf weit über den einer vom Menschen getrennt wahrgenommenen Umwelt hinausgeht. Folgt man den Erkenntnissen von Karen Barad, Physikerin für Theoretische Teilchenphysik und Quantenfeldtheorie, und ihrer feministischen und erkenntnistheoretischen Konzeption eines neuen Weltverständnisses, so entstehen Menschen, Objekte und Phänomene aus „Intra-Aktionen“ von „Menschen“ und „Nicht-Menschen“, wobei dynamischere Kräfteketten entstehen. Die Covid-19-Pandemie veranschaulicht z.B. Intra-Aktionen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ideologien und ethischen Standards mit Viren, pharmazeutischen Industrieprodukten, Verwaltungsprotokollen, Flugzeugen, sozialen Medien oder Budgets.

Welche Position nehmen wir in diesem komplizierten Universum ein, wenn wir die falschen Gewissheiten anthropozentrischer Überzeugungen hinter uns gelassen haben? In welcher Welt wollen wir leben? Sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln? Sind wir bereit, Maßnahmen gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel zu ergreifen und den Umgang mit unseren materiellen und immateriellen Ressourcen zu überdenken? Sind wir bereit, soziale Ungleichheiten zu beseitigen und Solidarität über individuelle und unmittelbare wirtschaftliche Vorteile zu stellen? Was ist sinnvolles Leben im Anthropozän?

Die Künstler*innen oszillieren zwischen entgegengesetzten Polen wie Ost und West, Arm und Reich, Tradition und Innovation der hellenischen zeitgenössischen Kulturgeschichte. Sie können, in transformatorischen Zeiten wie diesen, wichtige Impulse liefern und Reflektionsprozesse anregen.

Sotirios Bahtsetzis und Katja Ehrhardt, Kurator*innen der Ausstellung

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