Sommerfest der Edition Romiosini 2017

11.06.2017
14:00 - 22:00

Ort
Edition Romiosini / CeMoG

Sommer am Wannsee: die Edition Romiosini im LCB
Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin-Zehlendorf

Die Edition Romiosini feiert am Sonntag, dem 11. Juni 2017 ihr drittes Bücherfest. Mit unseren Autorinnen und Autoren Danae Coulmas, Haris Vlavianos, Yannis Voulgaris, und weiteren Gästen. Im LCB. Eintritt frei.

In unserer Online Bibliothek können Sie bereits jetzt die Bücher der Edition Romiosini entdecken.

PROGRAMM

14:00 Uhr: Grußwort Miltos Pechlivanos
Offener Brief: Haris Vlavianos an Ezra Pound

Die Gattung des offenen Briefs blickt auf eine lange Tradition zurück; adressiert an eine meist bekannte Persönlichkeit, war er doch eigentlich – mit einem Augenzwinkern – für ein breiteres Publikum gedacht. Der Adressat war ja durch die Offenlegung des Inhalts nicht mehr der eigentliche – der offene Brief, ein Diskurs der Abwesenheit. Ob Aufruf, Provokation oder Protest, war und ist er eine besondere Form des offenen Dialogs, ein Forum, ein Ansporn zum Austausch. Der offene Brief ist daher ein willkommenes Format für die Edition Romiosini des CeMoG, das sich genau als das versteht: eine Agora, ein Ort des Dialogs und der Zirkulation von Ideen. Die Edition Romiosini veröffentlicht zweimal im Jahr offene Briefe griechischer Autorinnen und Autoren an Kolleginnen und Kollegen jenseits ihrer Grenzen.
Der Lyriker Haris Vlavianos befasste sich lange mit dem Werk des umstrittenen Dichters und übersetzte ihn ins Griechische. Sein offener Brief an ihn ist eine Reflexion über Bewunderung, Anziehung und Abstoßung in einer literarischen Wahlverwandtschaft.
Auf dem Sommerfest liest Haris Vlavianos seinen Brief vor.

»» Leseempfehlung: Offener Brief: Haris Vlavianos an Ezra Pound, Edition Romiosini, 2017. Zweisprachige Ausgabe deutsch-griechisch. Übersetzung aus dem Griechischen von Torsten Israel.

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15:30 Uhr: Literarische Wiederentdeckungen

Mit Meine Reisen von Jorgos Chimonas, Der Bettler von Andreas Karkavitsas, Geschichte eines Kriegsgefangenen von Stratis Doukas und Acheron von Christoforos Milionis bringt die Edition Romiosini in diesem Sommer gleich vier faszinierende Wiederentdeckungen der griechischen Literatur zum Vorschein. Kostas Kosmas und Bart Soethaert präsentieren die Bücher, Lulu Bail trägt Auszüge daraus vor.

»» Buchempfehlungen:

  • Jorgos Chimonas: Meine Reisen und andere Texte. Aus dem Griechischen von Danae Coulmas und Niki Eideneier. Mit einem Vorwort von Evripidis Garantoudis. Edition Romiosini, 2017.
  • Stratis Doukas: Geschichte eines Kriegsgefangenen. Aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand. Mit einem Vorwort von Vassilis Vassiliadis. Edition Romiosini, 2017.
  • Andreas KarkavitsasDer Bettler. Aus dem Griechischen von Ulf-Dieter Klemm. Mit einem Vorwort von Georgia Pateridou und einem Nachwort von Ulf-Dieter Klemm. Edition Romiosini, 2017.
  • Christoforos Milionis: Acheron. Aus dem Griechischen von Hans Eideneier, überarbeitet von Theo Votsos. Mit einem Nachwort von Elisavet Kotzia. Edition Romiosini, 2017.

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17:00 Uhr: Das Blut und das Wasser. Haris Vlavianos im Gespräch mit Thomas Wohlfahrt

45 Szenen zwischen Rom, Athen, São Paulo, Oxford und London, Stationen einer dramatischen Dreiecksbeziehung. Haris Vlavianos – einer der bedeutendsten zeitgenössischen griechischer Dichter – hat seinen Text Blut ist Wasser Roman in 45 Akten“ genannt, um den dramatischen Charakter seines fragmentarischen Berichts zu betonen: Dieser „Roman“ kommt ohne Dialoge und traditionell erzählte Handlung aus, doch die 45 Mosaiksteine schaffen ein Nachbild, das Charaktere, Motivationen und Geschichten in filmischer Manier nachzeichnet. Die Edition Romiosini veröffentlicht dieses sehr persönliche Buch von Haris Vlavianos sowie eine Auswahl seines lyrischen Werks zwischen 1994 und 2015, die die Entwicklung seiner Lyrik in den letzten zwanzig Jahren nachvollzieht.
Haris Vlavianos wird mit dem Leiter der Literaturwerkstatt / Haus für Poesie, Thomas Wohlfahrt, sowie mit seinem Übersetzer, Torsten Israel, über seine Texte sprechen.

»» Buchempfehlungen:

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18:00 Uhr: Griechenland und die Politik. Yannis Voulgaris im Gespräch mit Rüdiger Schaper

Noch vor wenigen Monaten dominierte die sogenannte Griechenlandkrise die europäische Öffentlichkeit. Obwohl es selbstverständlich ist, dass Griechenland nicht mit der Wirtschaftskrise gleichzusetzen ist, war es nicht immer einfach, kompetente Meinungen und fundiertes Wissen darüber zu vermitteln – die Dauergäste der Talkshows aus der deutschen und griechischen Politszene trugen mit ihren Mantra-Thesen bloß zum Verdruss bei. Absicht des Buches des Politikwissenschaftlers Yannis Voulgaris über die politische Geschichte Griechenlands vom Ende der Militärdiktatur bis zum Beginn der Krise ist es, einen analytischen Einblick in und ein Interpretationsschema für die zeitgenössische griechische Politik zu bieten, indem es allgemein verständlich und informativ Geschichte, Politik und Soziologie vermittelt.
Yannis Voulgaris wird mit dem Autor und Journalisten Rüdiger Schaper über die Entwicklung und die Zukunft der griechischen, der deutschen und der europäischen Politik sprechen.

»» Buchempfehlung:

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19:00 Uhr: Wort und Widerstand, I. Danae Coulmas im Gespräch mit Mely Kiyak

Der Titel der Anthologie war schlicht 18 Texte. Was so nüchtern, distanziert und neutral klang, stand tatsächlich in einem ironischen Gegensatz zum Inhalt und war der bedeutendste Akt des literarischen Widerstands während der Militärdiktatur zugleich: 1969 wurde von den Militärs die vorbeugende Zensur aufgehoben – vorausgesetzt, die Publikationen kündigten keine politischen Kommentare an. Entsprechend lautete der Titel einer Sammlung mit Texten von 18 Autorinnen und Autoren, die 1970 publiziert wurde und subtil, aber unmissverständlich die politische Repression anklagte. 1973 gab Danae Coulmas auf Deutsch die Anthologie Die Exekution des Mythos... fand am frühen Morgen statt heraus, die dieses Buch als Grundlage hatte, ergänzt mit Texten verfolgter Autorinnen und Autoren, die teilweise aus dem Gefängnis geschmuggelt werden mussten. Die Edition Romiosini bringt nun diese Anthologie anlässlich der fünfzig Jahre seit dem Ausbruch der Militärdiktatur in einer neuen, revidierten Ausgabe heraus.
Danae Coulmas wird mit der Journalistin und Autorin Mely Kiyak über das Schreiben als Akt des Widerstands unter autoritären Regimen sprechen.

»» Buchempfehlung:

  • Danae Coulmas (Hg.): Die Exekution des Mythos. Aus dem Griechischen von Danae Coulmas u.a.. Mit einem Vorwort von Danae Coulmas. Edition Romiosini, 2017.

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20:00 Uhr: Wort und Widerstand, II. Die Deutsche Welle in der Zeit der griechischen Militärdiktatur. Dokumentarfilm von Timon Koulmasis

Der Taxifahrer weigert sich schweigend, das Geld anzunehmen. Athen, Ende Juli 1974. Wenige Tage nach dem Sturz der Diktatur. Vom Flughafen zu Hause angekommen besteht meine Mutter darauf zu bezahlen. Der Taxifahrer schweigt. "Möge meine Hand verdorren, wenn ich Geld von Ihnen nehme!", flüstert er schliesslich. Er hatte ihre Stimme erkannt. Sie war eine der drei, vier markanten Stimmen der griechischen Sendung der Deutschen Welle, die täglich zwischen 20:40 und 21:40 ausgestrahlt und in den finsteren Jahren der Diktatur heimlich von der überwältigen Mehrheit der Griechen gehört wurde.

Wort und Widerstand erzählt die Geschichte der Männer und Frauen, die diese Sendung geschaffen und, vom faschistischen Regime der Obristen ins Exil gezwungen, sich sieben Jahre lang bemüht haben, die Würde zu erhalten und den Menschen in Griechenland die Hoffnung zurückzugeben. Der Dokumentarfilm vom Regisseur Timon Koulmasis bezeichnet zum ersten Mal die historische Rolle, die sie während und nach der Diktatur gespielt haben, und verdeutlich den Platz, den sie bald vierzig Jahre später noch immer in der Kollektiverinnerung des Landes einnehmen. Der Film hinterfragt die Macht des engagierten Wortes und versucht seine Notwendigkeit gerade heute neu zu definieren.

»» Dokumentarfilm: Wort und Widerstand. Die Jahre der griechischen Diktatur, 2009/2010. Regie: Timon Koulmasis. 80 Min., OmU.


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Die Edition Romiosini ist ein Publikationsprojekt des Centrum Modernes Griechenland, ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Stavros Niarchos Foundation.Informiert bleiben: der CeMoG-Newsletter!

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Zeit & Ort

11.06.2017, 14:00 - 22:00


Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin-Zehlendorf