Wintersemester 2016/17

01.10.2016

Erstmals auf Deutsch: der erschütternde Bericht des griechischen Holocaust-Überlebenden Heinz Salvator Kounio

1943: Der 15-jährige Heinz Kounio wird zusammen mit all seinen Familienmitgliedern von den deutschen Besatzern seiner griechischen Heimat inhaftiert und unter entsetzlichen Bedingungen von Thessaloniki ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 23 Mitglieder seiner Familie und 23 Familienmitglieder seiner späteren Ehefrau wurden gleich nach der Ankunft in Birkenau ermordet. Er selbst arbeitet unter unvorstellbaren Lebensbedingungen 27 Monate lang als Zwangsarbeiter in diesem und weiteren Lagern. In einem Notizbuch vermerkt er stichwortartig seine Erlebnisse. Diese Notizen bilden die Grundlage für Heinz Kounios Autobiographie, in der er die menschenunwürdige Behandlung in den NS-Lagern, das dort herrschende Terrorsystem und die unvorstellbaren Entbehrungen beschreibt, die er während seiner Inhaftierung durchleiden musste.

Am Sonntag, 13 November 2017, 11 Uhr wird die deutsche Übersetzung der Autobiographie des griechischen Holocaust-Überlebenden Heinz Salvator Kounio (geb. 1928) im Haus der Wannsee-Konferenz vorgestellt. Die Übersetzung des Buches (Ein Liter Suppe und 60 Gramm Brot. Das Tagebuch des Gefangenen 109565) erschien beim Hentrich & Hentrich Verlag in Berlin und wurde von Michaela Prinzinger und Athanassios Tsingas angefertigt.

Über die Veranstaltung:

Heinz. S. Kounio im Gespräch
13.11.2016, 11:00 Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin
Moderation und Einführung: Dr. Ruth Preusse, Haus der Wannsee-Konferenz
Mit den Übersetzern Dr. Michaela Prinzinger und Athanassios Tsingas

Veranstaltungsort:
Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Am Großen Wannsee 56–58
14109 Berlin

Über das Buch:

Heinz Salvator Kounio
Ein Liter Suppe und 60 Gramm Brot
Das Tagebuch des Gefangenen 109565

Berlin, Hentrich & Hentrich Verlag, 2016.
ISBN: 978-3-95565-162-6

Die Edition Romiosini/CeMoG in der Buchhandlung Artificium

Das Centrum Modernes Griechenland entspricht mit der Edition Romiosini einem innovativen wissenschaftlichen und kulturellen Auftrag. Durch die Veröffentlichung griechischer und griechenlandbezogener Literatur (Belletristik, Sachbuch und Fachliteratur) in deutscher Sprache wird der deutschsprachigen Öffentlichkeit eine digitale Bibliothek der griechischen Literatur und neogräzistischen Forschung angeboten, eine Lücke in der hiesigen Verlagslandschaft geschlossen sowie ein praktischer Beitrag zum europäischen Kulturtransfer geleistet.

Zwar werden alle Titel der Edition Romiosini / CeMoG  zur Online-Lektüre angeboten, doch sie wären keine Bücher, könnte man sie nicht im regulären Buchhandel beziehen. In der Buchhandlung Artificium, die einen Schwerpunkt auf griechische bzw. griechenlandbezogene Literatur legt, wird am 13. Dezember 2016 um 19 Uhr das Gesamtprogramm der Edition Romiosini präsentiert. Sie sind herzlich eingeladen!

Veranstaltungsort:

Buchhandlung Artificium
Schwedenstr. 4
13357 Berlin

Hellas Filmbox Berlin im Babylon Kino (18.-22.01.2017)

Die HELLAS FILMBOX geht in die zweite Runde. Mit über 56 griechischen Filmen im Gepäck kehren die Griechen ab dem 18. Januar 2017 zurück in das Berliner Kino Babylon. Für den frischen Wind zum Festivalauftakt sorgt Schauspielerin und die neue Direktorin Sandra von Ruffin als Nachfolgerin von Gründer Asteris Kutulas.

Im Rahmen der Eröffnungszeremonie begrüßt die HELLAS FILMBOX BERLIN den griechischen Regisseur und Ehrengast Costa-Gavras. Zur Eröffnung bringt der Oscar-Preisträger auch gleich seinen Film „Der Stellvertreter“ (2002) mit – darin ein hochkarätiger Cast mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle ebenfalls am Eröffnungsabend dabei. Zum Abschluss des Festivals findet am 22. Januar die Deutschlandpremiere einer der erfolgreichsten Filme im griechischen Kino statt: Das Drama Worlds Apart von Regisseur und Schauspieler Christopher Papakaliatis.

Zwei Wettbewerbe NEUES GRIECHISCHES KINO und NEW VISION stehen auf dem Festivalprogramm. Darunter fallen Filme wie Südwind des Zimt und Koriander- Regisseurs Tassos Boulmetis, der ebenfalls beim Festival anwesend sein wird. Dokumentationen wie Goldene Morgenröte – eine persönliche Angelegenheit von der französisch-griechischen Journalistin Angélique Kourounis gibt Einblicke in die rechtsextreme Szene Griechenlands. Ein Highlight unter den zahlreichen Deutschlandpremiere ist auch “Der Letzte Strand”, welcher bei Trieste liegt und heutzutage noch eine Mauer hat, die Frauen und Männer voneinander trennt. Eine wunderbar feinsinnige, melancholisch-humorvolle Reflexion über die Grenzen, die uns verbinden und trennen – eine Tragikomödie über die Natur des Menschen. 

Neben dem Wettbewerbsprogramm setzt HELLAS FILMBOX BERLIN den Themenschwerpunkt „Holocaust der griechischen Juden / Griechenland unter deutscher Besatzung“. Darunter werden Filme zum Thema präsentiert, wie der Dokumentarfilm Trezoros-die verlorenen Juden von Kastoria von Larry Confino und Larry Russo.

Darüber hinaus warten auf alle Besucher die Fotoausstellung Gesichter und Räume – eine Hommage an Theo Angelopoulos von Nelly Tragoustis, Gesprächsrunden, Panels und zahlreiche Side Events. 

Filmemacherin Athina Rachel Tsangari zu Gast im Kino Arsenal (Berlin, 31. Januar & 1. Februar 2017)

Am 31. Januar und 1. Februar ist Athina Rachel Tsangari zu Gast im Kino Arsenal. Die Filmemacherin und Produzentin gilt als zentrale Protagonistin des jungen griechischen Kinos und ist zurzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Wie eine Verhaltensforscherin nimmt sie in ihren Filmen die Spezies Mensch und ihr seltsames Gebaren unter die Lupe – und erfindet dabei ein formal einfallsreiches Kino voll absurder Situationen und ganz eigener Komik.

Gezeigt werden ihre Filme "The slow business of going" (USA/GR 2001, Dienstag 31.1.2017, 19 Uhr), "Attenberg" (GR 2010, Dienstag 31.1.2017, 21:15 Uhr), "The Capsule" (GR 2012, Mittwoch 1.2.2017, 20 Uhr) und "Chevalier" (GR 2015, Mittwoch 1.2.2017, 20 Uhr) gezeigt. Im Anschluss Diskussion mit der Filmemacherin Athina Rachel Tsangari.

Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland (Athen, 2. Februar 2017)

Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland

Das Projekt „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ bewahrt das Gedächtnis griechischer Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der deutschen Besetzung Griechenlands während des Nationalsozialismus. Ihre Berichte werden aufge­nommen, wissenschaftlich aufbereitet und auf einer Online-Plattform bereitge­stellt.

Die Interviews bieten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Möglich­keit, ihre individuelle Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Sie berichten über die Massaker, insbesondere in Kalavryta, in Distomo und auf Kreta, über die Deportation in Konzentrationslager sowie über das Leben im Versteck oder den Widerstand gegen die Deutschen. Die Interviewsten sprechen aber auch über das Alltagsleben während der Zeit der Okkupation, über ihre Familien und über die Jahre von 1945 bis heute. Die Interviews werden untertitelt, verschlagwortet und um bibliografische und biografische Angaben ergänzt. Für die lebensgeschichtliche Zeitzeugeninterviews wird ein Online-Portal geschaffen, in dem die Interviews für Forschung und Lehre zugänglich gemacht werden.

Das Gesamtprojekt „Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland“ ist am Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin angesiedelt und wird in Kooperation mit der Nationalen Kapodistrias-Universität Athen umge­setzt. Die Mitarbeiter des Pro­jekts sind ausgewählte Forscherinnen und Forscher griechischer und deutscher Universitäten. Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, die Stavros Niarchos Foundation, die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft sowie die Freie Universität Berlin finanzieren das Vorhaben.

Am 2. Februar 2017 wird das Projekt mit einer anschließenden Podiumsdiskussion an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen vorgestellt.

:: Veranstaltungsprogramm in deutscher und griechischer Sprache (pdf)
:: Projektflyer in deutscher und griechischer Sprache (pdf)

Aufführung "Bloody, medium oder durch" (20-23.01, Ballhaus Naunynstraße, Berlin)

Vom 20.01 bis 23.01.2017 wird das Theaterstück Bloody, medium oder durch vom griechischen Regisseur Anestis Azas & Ensemble im Ballhaus Naunynstraße aufgeführt. Im engen Raum der Restaurantküche findet der Regisseur das Konzentrat aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Nach der Produktion Telemachos – Should I stay or Should I go? in Co-Regie mit Prodromos Tsinikoris nimmt er sich nun der Berliner Vorzeigeindustrie an, dem Arbeitsort von Neu-Berliner*innen. Spitzengastronomen und Kiezwirte, Selfmade-Frauen und Tellerwäscher, Großküchenbetreiber und Runner – ihre Erfahrungen bilden die Zutaten. Bloody, medium oder durch ist eine fiktiv-dokumentarische Inszenierung über eine brisante Rezeptur von Arbeitsbedingungen, Grenzziehungen und europäischer Krise.

Regie: Anestis Azas
Recherche und Text: Anestis Azas, Alina Spachidis und Ensemble
Bühne und Kostüm: Michaela Muchina
Soundtrack: Michail Fotopoulos
Lichtdesign: Catalina Fernández
Dramaturgie: Alina Spachidis
Video: Mehmet Can Koçak
Mit: Nizar Basal, David Boylan, Michail Fotopoulos, Kaoru Iriyama, Nicole Sartirani

Aufführungen am 20.01 (20 Uhr), 21.01 (20 Uhr), 22.01 (19 Uhr) und am 23.01.2017 (19 Uhr)
Eine Produktion (auf Deutsch und Griechisch mit Übertiteln) von Kultursprünge
im Ballhaus Naunynstraße, Naunynstraße 27, 10997 Berlin

Tickets: online oder an der Kasse im Ballhaus Naunynstraße bzw. an Vorverkaufsstellen

Griechenlandseminar XXII "Aufbruch in die Moderne - Giorgos Seferis und Odysseas Elytis in ihrer Zeit" (18.2-19.2.2017, Münster)

Am 18.02. und 19.02.2017 findet in Münster das Griechenlandseminar XXII unter dem Titel "Aufbruch in die Moderne - Giorgos Seferis und Odysseas Elytis in ihrer Zeit" statt. 

Giorgos Seferis (1963) und Odysseas Elytis (1979) wurden für ihre lyrische Dichtung mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Beide Dichter weisen entschieden neue Wege und sind doch in der griechischen Kultur und Tradition fest verwurzelt. Ihr Werk ist ohne den von der Literatengruppe der 30er Jahre vollzogenen Aufbruch in die Moderne nicht denkbar. Im Seminar wird dieser Epochenwandel der ästhetischen Moderne beleuchtet, den die sog. Generation der 30er Jahre in Griechenland herbeigeführt hat. Es versucht, den vielfältigen Aspekten eines geistigen Neuanfangs in Griechenland am Beispiel der beiden Dichter gerecht zu werden. Neben der Literatur werden auch Musik und Malerei zur Sprache kommen.

Tagungsort: Liudgerhaus, Überwasserkirchplatz 3, 48143 Münster
Teilnahmegebühr: 20 Euro, Ehepaare 30 Euro (inkl. Kaffee und Abend-Imbiss)
Anmeldungen zum Seminar bis zum 14.02.2017 an Barbara Blume (barbarablume@arcor.de)
Programm (als PDF-Download)

Hauptsponsoren der Münsterschen Griechenlandseminare sind die Deutsch-Griechische Gesellschaft Münster e.V. und die Südosteuropagesellschaft e.V. Die Seminare wurden 1994-2014 maßgeblich unterstützt durch den Förderverein zur Förderung der Neugriechischen Studien an der Westfälischen Wilhelms – Universität zu Münster "Der Chorege" e.V. Alle Infos zu den bisher durchgeführten Seminaren und der dazugehörigen Publikationsreihe "Choregia", finden Sie auf der Seite von Choregia - Münstersche Griechenland-Studien.

Aufführung "Die Dunkelkammer" (26-29.01, Ballhaus Naunynstraße, Berlin)

Vom 26.01. bis 29.01 wird das mit dem Monica-Bleibtreu-Preis nominierte Theaterstück Die Dunkelkammer von Kostis Kallivretakis wieder im Ballhaus Naunynstraße aufgeführt. Das Stück wurde am 10. Dezember 2015 uraufgeführt und hat den Roman von Stratis Myrivilis Das Leben im Grabe sowie Remarques Im Westen nichts Neues zur Vorlage. Im Roman Das Leben im Grabe beschreibt Myrivilis in 57 Kapiteln die makedonische Front auf dem Balkan während des Ersten Weltkriegs. Ausdrucksvolle Bilder des monotonen Lebens in den Schützengräben und der Brutalität der Kämpfe, lyrische Erinnerungen an das Leben auf Lesbos, der Heimat des Autors, sowie eine expressive Sprache sind die Leitfäden eines klassischen Werkes der neugriechischen Literatur.

Zum Theaterstück von Kostis Kallivretakis:

Ein Besuch bei den Rückkehrern von der Westfront. Aus einem Krieg, der anders war, als jeder Krieg zuvor, weil er von einer Kriegsmaschinerie dominiert wurde, auf die weder der menschliche Geist, noch der Körper vorbereitet war. Tausende Tote täglich und unzählbare schreckliche Verletzungen bei den Überlebenden. Soldaten, die an ihre psychische Belastungsgrenze gebracht und in Folge ihrer Traumata oft als „hysterische Simulanten“ abgestempelt wurden.

Wie kann man eine schockierte Gesellschaft begreifen? Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, während sie nicht wissen, ob sie fürchten oder hoffen, kämpfen oder kapitulieren sollen? Krise, Krieg oder Koma? Kostis Kallivretakis macht sich auf eine Zeitreise, nicht um fertige Antworten zu finden, sondern um den passenden Raum für seine Fragen zu schaffen. Er geht ein Jahrhundert zurück zur ersten schockierten Generation Europas - von gegenwärtigen Ausnahmezuständen zur Geburt des Shell Shock im Ersten Weltkrieg.

Die Paranoia kämpft sich in den Vordergrund, zielt auf den einzelnen Soldaten und trifft dabei ganze Gesellschaften.

Eine Dunkelkammer, in der kein Bild entwickelt wird, sondern Erinnerungen, die langsam greifbar werden. Mal nur schemenhaft wahrnehmbar, mal messerscharf und lebendig. Was ist echt, was Hirngespinst? Wer ist dieser Mensch da drüben? Dein Bruder? Dein Feind? Ist der überhaupt echt? Was ist da draußen passiert? Und wann ist es endlich vorbei?

Regie: Kostis Kallivretakis; Musik: Stavros Gasparatos; Ausstattung: Cecile Marcand; Licht: Catalina Fernández; Dramaturgie: Iury Trojaborg; Mit Michail Fotopoulos, Frank Seppeler

Aufführungen am 26.01 (20 Uhr), 27.01 (20 Uhr), 28.01 (20 Uhr) und am 29.01 (19 Uhr)
Eine Produktion (auf Deutsch und Griechisch mit Übertiteln) von Kultursprünge
im Ballhaus Naunynstraße, Naunynstraße 27, 10997 Berlin

Tickets: online oder an der Kasse im Ballhaus Naunynstraße bzw. an Vorverkaufsstellen

»» Buchempfehlung: Stratis Myrivilis, Das Leben im Grabe, Übers. Ulf-Dieter Klemm, Berlin, Edition Romiosini, 2016.

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