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12.10.2017

Autograph - Yorgos Konstantinou

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Thanassis Valtinos: Abstieg, Flussaufwärts

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Yannis Voulgaris: Politische Geschichte Griechenlands

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Proceedings of the ICGL12, Vol. 1

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Neue Bücher in neuem Design. Rund anderthalb Jahre nach unserer ersten Publikation bekamen die bewegten Geschichten der Edition Romiosini ein neues Layout. Die kreativen Köpfe dahinter sind Yorgos Konstantinou, ein Ingenieur der visuellen Kommunikation, der in Berlin, Barcelona und Thessaloniki zu Hause ist, und der Designer Thanassis Georgiou aus Thessaloniki. Für die Leser unseres Newsletters geben sie einen Einblick in ihre „Werkstatt“ und die Ideen, aus denen das neue Design hervorgegangen ist. Das Interview führte Kostas Kosmas.

Σχεδόν δύο χρόνια μετά την έκδοση του πρώτου βιβλίου, τα εξώφυλλα των βιβλίων της Edition Romiosini απέκτησαν νέα εμφάνιση. Οι δημιουργοί Γιώργος Κωνσταντίνου και Θανάσης Γεωργίου συζητούν, σε συνέντευξή τους στον Κώστα Κοσμά, για το "εργαστήρι" τους και το νέο design. Παρακάτω παρατίθεται το πρωτότυπο κείμενο της συνέντευξης.

Design ist kein Selbstzweck: ein Interview mit Thanassis Georgiou und Yorgos Konstantinou

Der Designer ist derjenige, der dem Buch seine Identität gibt, wenn wir es in der Hand halten oder im Bücherregal sehen. Gleichzeitig ist er der unscheinbarste Teil in der Produktionskette eines Buches. Wie ist es, ein unsichtbarer Kreativer zu sein?

Georgiou: Die Arbeit an Büchern ist für mich eine Herzensangelegenheit. Denn genauso wie bei einem Plakat muss auch hier mit knappen Mitteln eine Botschaft vermittelt werden, man muss eine oder sogar mehrere Geschichten beschreiben und dabei diverse Faktoren berücksichtigen. Das mag leicht oder schwierig sein. Aber das Ziel bleibt immer dasselbe: dass der Blick des Lesers unter den vielen Büchern gerade auf dieses eine fällt und darin augenblicklich eine Geschichte erkennt.

Konstantinou: Design ist kein Selbstzweck, sondern eine Dienstleistung, die dazu dienen soll, Inhalte effektiver zu vermitteln. Unsere Arbeit soll nicht im Mittelpunkt stehen, sondern unauffällig nützlich sein, indem sie den Bezug des Lesers zum Buch erleichtert, die Neugier auf die Inhalte steigert, das geschriebene Wort attraktiv begleitet und einem Editionsprogramm dazu verhilft, eine wertsteigernde und wiedererkennbare visuelle Identität zu erlangen.

Hatten Sie eine Zielgruppe, ein besonderes Publikum im Sinn, als Sie mit den Entwürfen zum neuen Design der Romiosini-Bücher angefangen haben, oder sind Sie dabei exklusiv Ihren persönlichen ästhetischen Kriterien gefolgt?

Georgiou: Jedes Produkt hat seine eigene Zielgruppe, deren Identifikation mit ihm das primäre Ziel ist. Im Fall der Edition Romiosini, einem universitären Publikationsprojekt, hatten wir zwei Zielgruppen im Sinn: das literarisch und das wissenschaftlich interessierte Publikum.

Jedes Buch ist dabei ein besonderer Fall, und daher immer ein Experiment. Das Hauptziel besteht darin, eine Korrespondenz von Inhalt und Form herzustellen und die potentiellen Leser so anzusprechen, dass sie das Buch in die Hand nehmen oder öffnen wollen. Da wir im Falle der Edition Romiosini keinem bestimmten Trend folgen mussten, sondern die Artikulation eines eigenen Statements wichtig war, konnten wir, glaube ich, ein frisches Bild vermitteln.

Konstantinou: Der Auftrag der Buchcovergestaltung für die Bücher der Edition Romiosini hat uns dazu gebracht, uns mit der Selbstdarstellung griechischer Kultur im Ausland sowie mit deren Wahrnehmung im deutschsprachigen Raum auseinanderzusetzen. Die Besonderheit der griechischen Literatur liegt nicht etwa in ihrem Bezug zu einer hellenischen Vergangenheit, sondern in ihrer geographisch, kulturell, sozial und politisch bedingten Realität sowie einer Sprache von überraschender Vielfalt; einer Sprache im ständigen Wandel, mit einer großen Dialektvielfalt und dem Erbe einer doppelten, einerseits akademisch-altertümlichen, andererseits volkssprachigen Tradition.

Unser Ziel war es, für den Verlag ein modernes und funktionelles Erscheinungsbild zu gestalten, die dieser Realität gerecht wird, fernab des Wunsch- oder Trugbildes hellenischer Gemeinplätze. Daher war unsere erste bewusste Entscheidung, auf solche Gemeinplätze zu verzichten und uns für eine konsequent zurückhaltende Gestaltung zu entscheiden, die einen unvoreingenommenen Blick ohne „Griechenlandfilter“ befördert und dadurch Raum für den Ausdruck der Vielfalt des Editionsprogramms erlaubt.

Die drei Reihen der Edition Romiosini  – Belletristik, Sachbuch, Fachliteratur – unterscheiden sich deutlich voneinander. Was ist das besondere Merkmal jeder Reihe?

Georgiou: Das Editionsprogramm besteht aus einer Auswahl anerkannter griechischer Autoren sowie aus anspruchsvollen Sach- und Fachbüchern. Daher musste sich das Erscheinungsbild jeder Reihe wesentlich voneinander unterscheiden und über die jeweilige Reihe „sprechen“. Im Fall Belletristik musste der Inhalt illustriert werden, in den zwei weiteren stehen Titel und Texte im Vordergrund.

Konstantinou: Die drei Publikationsreihen sollten klar voneinander differenzierbar sein. Es werden drei Buchstaben des griechischen Alphabets verwendet, um sie voneinander zu unterscheiden: „λ“ für Literatur, „π“ für Sachbuch und „ε“ für Fachliteratur. Das griechische Alphabet ist im Endeffekt der kleinste gemeinsame Nenner aller Bücher der Edition Romiosini, und so wird eine Griechenland-Referenz auf allen Covers sichtbar.

Das Erscheinungsbild der Belletristik-Reihe wird durch individuell gestaltete Bilder auf dem Cover hervorgehoben. Genauer gesagt entwerfe ich für jedes Buch ein individuelles Bild, das dem Leser einen Vorgeschmack auf dessen Inhalt geben soll. Die Gestaltung der Bilder weist, trotz einer einheitlichen Schwarzweißästhetik, die speziellen Eigenheiten jedes einzelnen Werkes auf, hebt die Persönlichkeit jedes Titels hervor, und sucht den Dialog mit dem geschriebenen Wort. Dadurch rücken dem deutschen Publikum unbekannte Werke und Autor_innen näher. Als kunsthistorische Referenz orientiere ich mich dabei an der Ästhetik des Holzschnitts und an der auf Licht und Schatten reduzierten Abbildung des Schattentheaters.

Die Sachbuch-Reihe wird durch eine vertikale Symmetrie gekennzeichnet. Für die Unterteilung in verschiede Sparten werden die Varianten eines Piktogramms angewandt. Hier ist die Abbildung auf das Zusammenspiel zweier Elemente reduziert: der Mensch und das Werk interagieren, um die Funktion jedes Buches zu visualisieren. Der Blick durch den Rahmen (Sachbuch allgemein), der Rahmen als Objekt (CeMoG Lectures), der Mensch im Mittelpunkt oder der Rahmen als Begleiter (Hommage à). Die Interrelation der Bildelemente entspricht der Art des jeweiligen Sachbuchs.

Die Reihe der Fachliteratur hat wiederum einen anderen Charakter. Sie ist von typographischen Elementen geprägt, um die Spezifik der Textsorte zu unterstreichen, aber gleichzeitig mit einer optischen Frische als Ausgleich zum „trockenen“ Image wissenschaftlicher Prosa.


Über Thanassis Georgiou und Yorgos Konstantinou

Der Grafikdesigner Thanassis Georgiou hat langjährige Erfahrung im Design von Zeitschriften, Zeitungen und Büchern. Für seine Arbeit ist er ausgezeichnet worden, u.a. durch den European Newspaper Design Award (Zeitschriftbeilage). Als freiberuflicher Designer hat er für verschiedene Bildungsprojekte, für Werbung und Produktdesign, für Zeitschriften und Verlagshäuser wie Patakis, Psychogios, Ianos und Kedros zusammengearbeitet.

Yorgos Konstantinou ist Pionier im Bereich der visuellen Kommunikation, Konzeptentwickler und Bildungsvisionär. Er hat die Gabe, komplexe Sachverhalte in Bildern verständlich zu machen und Lernprozesse mittels visueller Rhetorik zu ermöglichen. Er entwickelt und realisiert weltweit innovative Bildungskonzepte und Werkzeuge für staatliche, gemeinnützige wie auch private Organisationen mit dem Schwerpunkt Friedensförderung, Interkulturalität und Kreativität. Er ist Gründungsmitglied der mit dem Intercultural Innovation Award ausgezeichneten Gruppe Irenia. Seine Arbeiten als Illustrator, Graphic Facilitator und Zeichner für Buch, Presse, Werbung und Online-Medien sind auf seiner Seite www.imagistan.com zu finden. Konstantinou hat außerdem die Bürgerbewegung Stop Mare Mortum mitinitiert und koordiniert die Plattform #MEDfaces, die die Werke hunderter Künstler_Innen sammelt und europaweit durch Ausstellungen und soziale Medien auf die humanitäre Krise im Mittelmeer hinweist. Er lebt mit seiner Familie in Berlin und Katalonien.