#Editorial

30.01.2019

Online-Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen

Online-Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen

Welche Erfahrungen sammelte ein griechischer Medizinstudent im Leipzig der 1750er Jahre? Wie kam die Bierkultur nach Griechenland? Was tat ein deutscher Exilant im Athen der 1930er Jahre? Hinter dem Titel Online-Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen (ComDeG) verbirgt sich ein Fundus spannender Geschichten über die Menschen, Orte und Institutionen, die Ereignisse, Tätigkeiten und Themen, über die die beiden Sprach- und Kulturräume seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert miteinander verbunden sind. Mit der Förderung des Auswärtigen Amtes wird in den kommenden Jahren eine Forschungs- und Publikationsplattform entstehen, die diese Geschichten in wissenschaftlich geprüften Artikeln und Essays präsentiert.

Τον περασμένο Οκτώβρη ξεκίνησε με τη χρηματοδότηση του Υπουργείου Εξωτερικών της Γερμανίας το πενταετές πρόγραμμα Online-Compendium των ελληνογερμανικών διασταυρώσεων, το οποίο αποτελεί συνεργασία μεταξύ του Κέντρου Νέου Ελληνισμού (CeMoG) του FU Berlin και του Εργαστηρίου Ελληνογερμανικών Σχέσεων (ΕΜΕΣ) του Εθνικού και Καποδιστριακού Πανεπιστημίου Αθηνών.

Deutsch-Griechische Geschichte online!

Das Online-Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen (ComDeG) ist als ein frei zugängliches, multiperspektivisches Referenzwerk konzipiert, das eine breite Öffentlichkeit mit verlässlichen Informationen über die Geschichte der deutsch-griechischen Verflechtungen versorgt. Es bündelt, systematisiert und erweitert die langjährigen Vorarbeiten auf diesem Gebiet, etwa im Kontext der Wissensbasis zum deutsch-griechischen Kulturtransfer, und bildet den Ausgangspunkt neuer Forschungsvorhaben, z.B. des kürzlich gestarteten Projektes Akteure deutsch-griechischer Übersetzungskulturen. Seine Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Griechisch-Deutsche Beziehungen (Εργαστήριο Μελέτης Ελληνογερμανικών Σχέσεων, EMES) der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen. Es wird ermöglicht durch die großzügige Förderung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.

Das ComDeG versteht sich als eine Brücke der Informationsvermittlung, der Zusammenarbeit und der Vernetzung, die im Sinne des Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds darauf abzielt, die Entwicklung einer gemeinsamen deutsch-griechischen Geschichtskultur zu ermöglichen. Durch den Aufbau des „Online-Compendiums“ beabsichtigen das Centrum Modernes Griechenland und das Institut für Griechisch-Deutsche Beziehungen ein breitgefächertes Forschungsnetzwerk zu etablieren, indem die bestehenden Wissenschaftskooperationen zwischen Deutschland und Griechenland verstetigt, ihre Einzelerträge im Rahmen des Compendiums sichtbarer gemacht und dadurch neue Forschungsfragen gestellt und -kooperationen angebahnt werden.

Aus methodischer Sicht folgt das „Online-Compendium“ dem Ansatz der Verflechtungsgeschichte, in dem die deutsch-griechische Geschichte als europäisches Aktionsfeld transnationaler Interaktionen, Interpretationen, Überkreuzungen, Übersetzungen und Transfers erkennbar wird. Die Inhalte des Compendiums werden so verfasst, dass sie sich an eine breite deutsch-griechische Öffentlichkeit richten, die daran interessiert ist, ihr Wissen über die bilaterale Geschichte zu erweitern und einen vertieften Eindruck in die Verflochtenheit dieser Geschichte mit der eigenen Vergangenheit zu erhalten. Seine Spannbreite reicht zeitlich vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit, inhaltlich und thematisch von politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen bis hin zu wissenschaftlichen und kulturellen Verflechtungen.

Die Inhalte des Compendiums werden in Essays und in kurzen enzyklopädischen Artikeln strukturiert:

  • Die Essays gliedern sich in drei Hauptkategorien: 1. Mikrogeschichten, d.h. narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen zu signifikanten Ereignissen wie z.B. die Ankunft des bayerischen Königs Otto in Griechenland (1833), Ereignisse, Begegnungen und Einzelschicksale im Zusammenhang der deutschen Besatzung Griechenlands während des Zweiten Weltkriegs (1941–1944) oder der Griechenlandschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse (2001); 2. Makrovorgänge, d.h. Praktiken und Netzwerke wie z.B. die griechisch-deutsche Migration in ihren verschiedenen historischen Perioden, die Übersetzung griechischer Literatur ins Deutsche oder beiderseitige Reise- und Studiennetzwerke; sowie Policies und Strukturen, etwa die beiderseitige Handels-, Kultur- und Erinnerungspolitik; 3. Unter dem Titel der Metanarrative werden schließlich verschiedene diskursive Konstruktionen zusammengefasst, die sich in den vergangenen 200 Jahren maßgeblich auf die gegenseitige Wahrnehmung ausgewirkt haben. Hierzu gehören Konzepte wie Philhellenismus, Romantik oder Faschismus; Deutungsmodelle wie die Bayernherrschaft in Griechenland, Fallmerayers These von der „Slawisierung der Griechen“ oder die umstrittene Erinnerungskultur an die deutsche Besatzung Griechenlands während des Zweiten Weltkriegs; aber auch Stereotype wie der „ordnungsliebende“ Deutsche oder der „lebensfrohe“ Grieche. In einigen der hier vorgestellten Themenbereiche ist davon auszugehen, dass sich je nach Perspektive und Forschungsansatz unterschiedliche, teilweise kontroverse Bewertungen ergeben. Um diese Widersprüche festzuhalten, ist die Möglichkeit vorgesehen, die betreffenden Essays als Beiträge zu Kontroversen mehrfach zu vergeben.
  • Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten, und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen. Diese sind mit Angaben zu Wirkungsorten, Wirkungszeit, Kontaktzonen, Vermittlungspraktiken, personellen bzw. institutionellen Netzwerken verknüpft und mit einer dynamisch aus der ComDeG-Bibliographie (s.u.) erstellten Literaturliste versehen.

Der Facettenreichtum der deutsch-griechischen Verflechtungen wird in der Bibliographie des ComDeG dokumentiert. Diese besteht aus den folgenden bibliographischen Sammlungen: Die Sammlung „Bibliographie zu den deutsch-griechischen Verflechtungen“ liefert einen Wegweiser in ältere und neuere Sekundärliteratur zu verschiedenen deutsch-griechischen Kontaktzonen und Interaktionsfeldern, Akteuren und Vermittlungspraktiken. In dieser Sammlung werden auch alle Essays des Online-Compendiums bibliographisch erfasst. Zwei weitere Bibliographien enthalten griechisch-deutsche und deutsch-griechische Übersetzungen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute. Schließlich bilden die Sammlungen deutschsprachiger Literatur über Griechenland und deutschsprachige Literatur griechischer Autor*innen sowie griechischsprachige Literatur über Deutschland und griechischsprachige Literatur deutscher Autor*innen ein umfassendes Korpus für die Erforschung der interkulturellen Wissensvermittlung und -produktion mit Bezug zu Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft u.a.

Eine letzte Ebene des Compendiums stellt die Wissensbasis dar. In dieser werden die Einträge der Essays, der  Artikel und der Bibliographie des ComDeG über Indexeinträge mit Normdaten zu Personen, Institutionen, Medien, Objekten, Orten, Wirkungszeiten, Kontaktzonen (z.B. Politik, Wissenschaft, Literatur) und Vermittlungspraktiken (z.B. Übersetzung, Adaption, Unterricht) verknüpft. Diese Register eröffnen vielfältige Möglichkeiten für die Recherche im Informationsgeflecht des ComDeG und zur Verknüpfung von dessen Inhalten mit anderen digitalen Katalogen, Quellen und Informationsplattformen.

Wie aus der obigen Beschreibung hervorgeht, handelt es sich bei dem Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen um ein ambitioniertes Vorhaben, das nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch neue Perspektiven auf die deutsch-griechische Geschichte eröffnet. Die Dauer dieses Vorhabens ist derzeit auf fünf Jahre ausgelegt. Auf dem Weg zu seiner Realisierung wird es zahlreiche spannende Veranstaltungen und Meilensteine geben, über die wir Ihnen immer wieder gerne berichten werden.