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#Wissenswert

29.10.2020

Die Protokolle des Regentschaftsrats für König Otto von Griechenland sind Gegenstand eines umfassenden Forschungs- und Editionsvorhabens der Kommission für bayerische Geschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Der Bestand, der erst vor kurzem als digitale Kopie des in Athen lagernden Originals in das Bayerische Hauptstaatsarchiv übernommen wurde, gibt für die Jahre von 1833 bis 1835 vertiefende Einsichten in das Regierungs- und Verwaltungshandeln der frühen „Bayernherrschaft“ im jungen Königreich sowie in die historischen Mechanismen von Governance, Expertenherrschaft und State Building im Mittelmeerraum des 19. Jahrhunderts. Das Projekt versteht sich außerdem als fundamentaler Beitrag zur Geschichte der deutsch-griechischen Beziehungen der Neuzeit.

Τα πρακτικά της Αντιβασιλείας για τον Όθωνα αποτελούν αντικείμενο ενός φιλόδοξου ερευνητικού και εκδοτικού προγράμματος για τη Βαυαρική Ακαδημία Επιστημών. Στο κείμενο των Becker/Lechenmayr που ακολουθεί, μπορείτε να διαβάσετε την περιγραφή του.

Protokoll der Regentschaft (Bildquelle: Rainald Becker, Emanuel Lechenmayr)

Protokoll der Regentschaft (Bildquelle: Rainald Becker, Emanuel Lechenmayr)

König Otto von Griechenland und die Protokolle des Regentschaftsrats (1833-1835)

Von Rainald Becker, Emanuel Lechenmayr

Das griechische Königtum Ottos gehörte trotz seiner relativ kurzen Dauer von gerade einmal 30 Jahren – von 1832 bis 1862 – zu den bedeutendsten Etappen in der Geschichte der bayerischen Außenbeziehungen. (Vgl. Kraus, 2003, 193-197; Weigand, 2005; Gollwitzer, 1986; Helmberger, 2002) In der ottonischen Monarchie verdichteten sich paradigmatisch die außenpolitischen und diplomatischen Gestaltungsansprüche der süddeutschen Mittelmacht auf internationalem Feld. (Gollwitzer, 2011) Neben der spektakulären österreichischen Heirat, der 1854 erfolgten Eheschließung zwischen Kaiser Franz Joseph und der bayerischen Prinzessin Elisabeth („Sisi“), stellte Ottos Thronbesteigung die erfolgreichste Variante des wittelsbachischen „Monarchie- und Dynastieexports“ während des 19. Jahrhunderts dar. (Vgl. Wienfort, 2019, 8f.) Zugleich hatte die dynastische Verbindung Bayerns mit dem östlichen Mittelmeeranrainer einen wechselseitigen Effekt. Auch Griechenland stand vor einer entscheidenden historischen Weichenstellung. Die Thronbesteigung des bayerischen Prinzen verhalf dem kurz zuvor unter kriegerischen Umständen aus dem Osmanischen Reich ausgeschiedenen und zum völkerrechtlichen Souverän aufgestiegenen Land nicht nur zu lang ersehnter internationaler Anerkennung. Ottos Herrschaft schuf darüber hinaus erste Rahmenbedingungen für die äußere und innere Ordnung des neuen Gemeinwesens. Griechenland konnte sich zunächst zu einem recht stabilen Bestandteil des europäischen Staatensystems entwickeln. (Gallant, 2015; Clogg 32013; Koliopoulos/Veremis, 2010) Damit ergeben sich zahlreiche Fragen zu den konkreten Vorgängen von Herrschaftsetablierung und Regierungspraxis: Wie hat man sich das bayerische State Building auf griechischem Boden im Einzelnen vorzustellen? Welche Instrumentarien kamen zum Einsatz? Auf welche Bereiche erstreckte sich das administrative Handeln? Wie konnten die vielfältigen Herausforderungen personell und logistisch bewältigt werden?

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