#Wissenswert

04.05.2015

#Wissenswert

Wie bereits in unseren vorangehenden Newslettern angekündigt, entwickelt das CeMoG derzeit eine digitale Wissensbasis zum deutsch-griechischen Kulturtransfer. Da es zu den zentralen Anliegen des CeMoG gehört, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Griechenland zu fördern, soll diese nicht zuletzt als Netzwerk und Publikationsplattform für Nachwuchswissenschaftler dienen, die Aspekte der deutsch-griechischen Beziehungen erforschen. Einsendungen und Hinweise auf einschlägige Arbeiten sind jederzeit willkommen.

Als aktuelles Beispiel aus der diesbezüglichen Forschung wollen wir Ihnen die kürzlich abgeschlossene Masterarbeit von Frau Joana Papageorgiou (FU Berlin) zum Thema Griechenland-Stereotype in der deutschen Presse. Die Berichterstattung über die griechische EU-Ratspräsidentschaft im Kontext der Krise vorschlagen.

Wer an weiterführenden Informationen zur deutschen Medienberichterstattung über Griechenland im Zusammenhang der Euro-Krise interessiert ist, sei außerdem auf die folgenden Untersuchungen verwiesen:

Der folgende Text stellt eine überblicksartige Zusammenfassung von Frau Papageorgious Masterarbeit dar.


Joana Papageorgiou: Griechenland-Stereotype in der deutschen Presse. Die Berichterstattung über die griechische EU-Ratspräsidentschaft im Kontext der Krise

Seit 2010 ist die politische und wirtschaftliche Situation Griechenlands ein kontinuierliches Lieblingsthema der deutschen Medien. Panikmache vor den finanziellen Konsequenzen für den deutschen Steuerzahler gepaart mit einem tiefen Griff in die Stereotypenkiste dominieren den täglichen Pressespiegel. Angesichts der zunehmenden Forderungen nach dem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone besitzt der Forschungsgegenstand des griechischen Nationenbildes eine brennende Aktualität.

Im Rahmen einer Masterarbeit am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin erfolgte deshalb eine Bestandsaufnahme aller bekannten griechischen Stereotype in der deutschen Presse. Anlass für die Untersuchung der Berichterstattung war die griechische EU-Ratspräsidentschaft 2014. Es konnte gezeigt werden, dass die Art, wie über Griechenland berichtet wird, sich seit Ausbruch der EU-weiten Krise stark verändert hat.

Griechen-Hetze wie im Nationalsozialismus

Rund fünfundsechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden im Kontext einer EU-weiten Krise, die die Gesellschaft in Panik versetzt und die Märkte ins Chaos stürzt, abermals kampagnenartig Stereotype und Vorurteile gegen Griechen verbreitet. Auf deutscher Seite sorgen dabei besonders die Bild-Zeitung und das Nachrichtenmagazin Focus für öffentliche Empörung, sei es mit provokativen Forderungen nach griechischen Inseln und antiken Kulturgütern (BILD 2010) oder mit rassentheoretischen Überlegungen im Stil des österreichischen Publizisten Jakob Philipp Fallmerayer (FOCUS 2010), dessen Thesen bereits im Nationalsozialismus für Propagandazwecke verwendet wurden. Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur der Bild am Sonntag, stellt fest: „Das grenzt an Volksverhetzung“.

Relevanz der deutsch-griechischen Beziehungen

Der 1821 ausgebrochene griechische Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich führt zu einer europäischen Solidaritätsbewegung, in deren Verlauf die griechischen Freiheitskämpfer nicht zuletzt militärische Unterstützung erhalten. Gerade die deutschen Philhellenen, die sich in jenen Jahren für die Sache der Griechen einsetzen, gehen dabei von einer idealisierten Sichtweise aus, der zufolge es sich bei den Neugriechen um „direkte Nachkommen der Altgriechen“ handele, denen man für ihren Beitrag zur europäischen Kultur „zu höchstem Dank verpflichtet“ sei. Ein überzeugter Philhellene ist auch der erste König von Griechenland, Otto von Wittelsbach, der 1833 den griechischen Thron besteigt und 1863 durch einen Prinzen aus der deutsch-dänischen Adelslinie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg abgelöst wird, dessen Dynastie bis 1974 in Griechenland herrscht.

Im April 1941 fällt die Wehrmacht in Griechenland ein, nachdem dieses ein Ultimatum zur Kooperation seitens der faschistischen Diktatur unter Mussolini ablehnt hat. Der Philhellene Adolf Hitler gilt als Verehrer der griechischen Antike, was ihn jedoch nicht davon abhält, die Neugriechen propagandistisch zum „Sauvolk“, zu „Nichtstuer[n]“, „Schieber[n]“ und „Korrupteure[n]“ zu degradieren, sobald sie beginnen, sich dem Einmarsch zu widersetzen. In Vergeltungsaktionen gegen den griechischen Widerstand exerziert die deutsche Besatzungsmacht eine Grausamkeit und Brutalität, die dem Historiker Hagen Fleischer zufolge „in nicht-slawischen Ländern unerreicht bleibt“; darüber hinaus zerstört sie die griechische Wirtschaft und Infrastruktur systematisch.

1960 sieht die deutsche Regierung sich genötigt, neben anderen Staaten auch Griechenland eine „freiwillige Wiedergutmachung“ in Höhe von 115 Millionen DM zu zahlen. Die ausstehenden Reparationen hingegen werden im Rahmen des Londoner Schuldenabkommens immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben mit dem letztendlichen Ziel der Verjährung der Ansprüche Griechenlands. Auch der von den Nationalsozialisten anerkannte Zwangskredit wird nie an Griechenland zurückgezahlt.

Wirtschaftlich pflegen Deutschland und Griechenland seit Ende des Zweiten Weltkrieges eine wichtige, stellenweise kontroverse, Beziehung. So erhält Griechenland um 1958 eine finanzielle Anleihe aus Deutschland mit dem Hinweis, die Verfolgung von deutschen Kriegsverbrechern einzustellen. Deutschland gilt als Griechenlands zweitwichtigster Handelspartner, nach Angaben des Auswärtigen Amtes beträgt das aktuelle Handelsvolumen über 6,4 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren kommt es wiederholt zu Negativschlagzeilen durch aufgedeckte Korruptions- und Gefälligkeitsskandale zwischen deutschen und griechischen Beteiligten, beispielsweise in Zusammenhang mit der Siemens AG. Gunst und Geduld der deutschen Griechenland- und Krisenpolitik werden als abhängig von Griechenlands Einkäufen in der deutschen Rüstungsindustrie beschrieben; zusätzlich fließen hohe Summen an Bestechungsgeldern von deutschen Rüstungsunternehmen wie Ferrostaal, Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall auf die Konten griechischer Politiker.

Die Krise und die Medien

Ende 2009 erreicht Griechenland die, durch US-amerikanische Börsenspekulanten maßgeblich mitverantwortete, schlimmste Krise in der Geschichte der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Zur Regulierung der Staatsschulden erlegt die Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission der Hellenischen Republik eine umstrittene Kürzungspolitik in Form mehrerer ‚Memoranda of Understanding‘ auf. Sie ist vor allem unter der Bezeichnung ‚Sparmaßnahmen‘ bekannt, welche aufgrund ihrer positiven Konnotation die negativen humanitären, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen ausklammert.

Mit Beginn der Krise erfährt Griechenland eine schlagartig erhöhte Aufmerksamkeit in den internationalen Medien. Anfangs wird die Berichterstattung von ‚Sündenbock‘-Narrationen und antigriechischen Stereotypen dominiert. 2011 werden die sozialen und gesellschaftlichen Konsequenzen der Kürzungspolitik immer salienter, sodass das Spektrum der Berichterstattung zu Griechenland um krisenbezogene Themen wie Obdachlosigkeit, familiäre Schicksale oder Suizide erweitert wird. Das Narrativ der griechischen Täter wird in der internationalen Berichterstattung durch das der griechischen Opfer ergänzt, die neuen ‚Bösewichte‘ sind die politische Klasse und die Troika. In Bezug auf die deutsche Charakterisierung der Krisensituation in Griechenland betont das Auswärtige Amt: „Es wird häufig verkannt, dass sich Griechenland nicht ‚nur‘ in einer Schuldenkrise, sondern in einer tief greifenden [sic] Krise von Staat und Gesellschaft befindet“. Dennoch ist zu beachten, dass es sich keineswegs um ein griechisches, sondern vielmehr EU-weites Phänomen handelt, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen.

Dauerhaftes Stigma als Konsequenz aus der Krise?

Im Jahr 2014 steht Griechenland neben seiner Rolle in der EU-Krise auch durch ein aktuelles Ereignis in den Schlagzeilen: Vom 1. Januar bis zum 30. Juni übernimmt es den Vorsitz im Rat der Europäischen Union, einem EU-übergreifenden politischen Gremium mit legislativer und organisatorischer Funktion. Die deutsche Presse meldet früh Zweifel an, dass Griechenland unter der Belastung durch die Krise das Amt der EU-Ratspräsidentschaft verantwortungsvoll und kompetent ausführen kann. Aber inwiefern ist die deutsche Berichterstattung und mediale Bewertung der griechischen Ratspräsidentschaft tatsächlich durch den Hintergrund der Krise geprägt? Griechenlandbezogene Stereotype haben sich spätestens seit dem Ausbruch der Krise Ende 2009 im zeitgenössischen deutschen Journalismus etabliert, aber werden sie auch in diesem Fall reproduziert? Haftet Griechenland damit ein themenunabhängiger, omnipräsenter Ruf als ‚Krisenland‘ an?

Wissenschaftliches Vorgehen

Dementsprechend lautete die Forschungsfrage: Welche Unterschiede existieren in der journalistischen Stereotypisierung Griechenlands zum Ereignis der griechischen EU-Ratspräsidentschaft vor und während der Krise?

Die theoretische Grundlage für die Studie lieferte die soziologische und sozialpsychologische Einstellungsforschung mit dem zentralen Begriff des Stereotyps. Da es sich um eine medienwissenschaftliche Analyse handelte, wurde der Untersuchungsgegenstand in den erweiterten theoretischen Kontext des Radikalen Konstruktivismus, der Prinzipien der Nachrichtenselektion und der Merkmale der Auslandsberichterstattung eingebettet. Eine ausführliche Rekapitulation des bisherigen Forschungsstandes zum Griechenlandbild in der deutschen Presse förderte die bislang erforschten Stereotype zutage. Auf dieser Basis wurde an insgesamt 53 Artikeln aus den Tageszeitungen SZ, FAZ und BILD eine Inhaltsanalyse durchgeführt. Um Aussagen zu einem potenziellen Einfluss der Krise auf die allgemeine Berichterstattung über Griechenland treffen zu können, mussten Artikel aus den EU-Ratspräsidentschaften 2003 (vor der Krise) und 2014 (während der Krise) analysiert werden.

Der bis dato wissenschaftlich existierende Bestand an griechischen Stereotypen konnte so umfassend systematisiert und ergänzt werden. Ergebnis ist ein multidimensionaler Katalog vermeintlich griechischer Charakteristika, der in diesem Umfang durch bislang kein anderes Forschungsprojekt realisiert wurde.

Wenn in der deutschen Berichterstattung zu griechischen Themen stereotypisiert wird, so scheinen sich hinter der journalistischen Stereotypisierung vermeintlich griechischer Eigenschaften drei Arten impliziter Ansprüche gegenüber den Griechen, Griechenland und der Hellenischen Republik zu verbergen: Ansprüche an den Charakter, an die Entwicklung und an die Leistung. Im Folgenden sollen exemplarisch die Stereotype der Charakteransprüche vorgestellt werden.

Stereotype der Charakteransprüche

Das griechische Temperament ist womöglich eins der bekanntesten Stereotype und mag ebenso auf andere Kulturen südlich von Deutschland Anwendung finden. Damit verbunden wird ein emotionaler Charakter, der sich in leidenschaftlichem Verhalten, beispielsweise Lautstärke, Gestik oder Übermut, manifestiert.

Aggressivität, ein exklusiv negativ konnotiertes Merkmal und Steigerung des verhältnismäßig neutralen Stereotyps ‚Temperament‘, kann sich als Wut oder Gesetzlosigkeit, äußern.

Akteure in politischen Angelegenheiten halten sich gemäß dem Stereotyp der Unzuverlässigkeit nicht an verbindliche Absprachen.

Ein der Unzuverlässigkeit ähnliches Stereotyp ist das der Unberechenbarkeit. Die Griechen werden damit als schwer einschätzbar und zu unvorhergesehenen Reaktionen neigend charakterisiert.

Maßlosigkeit wird gemäß Forschungsstand auf der Personenebene als ein Lebensstil, der mit den eigenen finanziellen, zeitlichen oder sozialen Verhältnissen in Konflikt steht, definiert. Ein exzessiver Umgang mit Geld oder der Empfang von vermeintlichen ‚Luxus-Renten‘ haben sich im Forschungsstand als prototypisch zur Beschreibung der Griechen hervorgetan.

Ein Charakterzug, der den Griechen laut Forschungsstand seit der Krise nachgesagt wird, ist die Gier. Dem Stereotyp zufolge fordern sie Hilfe und setzen sich zum Ziel, Nordeuropa und insbesondere Deutschland finanziell auszunutzen. In der Berichterstattung zum griechischen EU-Vorsitz tritt es auf der Systemebene zum Vorschein und umfasst Forderungen quantitativer Art, beispielsweise nach finanzieller Hilfe von der EU und Deutschland.

Auch Undankbarkeit werfen die Medien den Griechen seit der Krise vor und bewerten damit die Reaktionen der Bevölkerung in Form von persönlicher Betroffenheit und Widerstand auf die durch die Troika auferlegte Kürzungspolitik sowie auf die Kreditzahlungen an den griechischen Staat. Auf der Systemebene wird die vermeintlich gierige Forderung von Politikern nach weiterer Unterstützung bei gleichzeitiger Forderung von Nachsicht und Zurückhaltung gegenüber Griechenland als Undankbarkeit empfunden.

Sonderfall Vorurteil: Wenn aus Stereotypen Feindbilder werden

Einige vermeintliche griechische Eigenschaften, die in der deutschen Presse beschrieben werden, fallen durch ihre extreme Beschaffenheit auf. Ist von Schuld oder Bedrohung die Rede oder wird gar in populistischen Zusammenhängen eine Unwürdigkeit der Griechen suggeriert, so handelt es sich nicht mehr um Stereotype. Nationale Vorurteile bzw. Feindbilder beinhalten extrem negative Bewertungen und eine stark ablehnende Haltung. Sie erfüllen die Funktionen der gesellschaftlich gebilligten Aggressionsabfuhr und der Ausgrenzung der Fremdgruppe. Was ihren Wahrheitsgehalt betrifft, so gilt, dass sie meist falsch sind. Feindbilder implizieren ein gewisses feindliches Handlungspotenzial der Fremdgruppe und dem Beobachter entsprechende Reaktionen suggerieren.

Stereotype mit vorurteilshaften Ausprägungen

Die Stereotype ‚Unwürdigkeit‘, ‚Schuld‘ und ‚Bedrohung‘ mit ihren extrem negativen affektiven Komponenten und der implizierten stark ablehnenden Haltung erfüllen Definitionskriterien für Vorurteile.

Die Schuld an der Krise auf griechischer Seite zu verorten, ist eine Stereotypisierung, die bereits ein Merkmal von Feindbildern aufweist. Der Forschungsstand präsentiert zahlreiche journalistische Sündenbock-Narrationen und Fälle von Schuldzuweisungen an die griechische Bevölkerung, welche ihren Staat vermeintlich in die Zahlungsunfähigkeit getrieben haben. Auf der Systemebene existieren Schuldzuweisungen an die griechischen Politiker und die Regierung, welche gemäß der operationalen Definition die Krise durch schlechte Politik (s.o. Stereotype ‚Inkompetenz‘, ‚Versagen‘) und Verschwendung (s.o. Stereotyp ‚Maßlosigkeit‘) zu verantworten haben. Insgesamt werden auf allen Bezugsebenen globale Aspekte vernachlässigt.

Ein weitaus stärker vorurteilsbehaftetes Stereotyp ist das der Bedrohung; es ist durch negative Antizipation, Identifikation mit dem Bösen und Empathieverweigerung gekennzeichnet. Demnach sind die Griechen eine Gefahr für die deutschen Steuerzahler und die Stabilität des Euros mit der einzig logischen Konsequenz, dass man sie aus der Eurozone ausschließen muss. Die Deutschen interessieren die Probleme der Griechen nur insofern, als sie selbst betroffen sind. Sie wollen in ihrer moralischen und materiellen Überlegenheit den Euro zwar retten, halten dies jedoch angesichts der Verschwendungstendenz der Griechen für eine vergebliche Anstrengung. Gleiches gilt für die Systemebene. Darüber hinaus ist die Hellenische  Republik eine Gefahr für andere Staaten; die hohe Arbeitslosenquote und der Zusammenbruch des griechischen Sozialsystems wirken sich vorteilhaft für Deutschland aus.

Abschlussreflexionen

Zusammenfassend deuten folgende Befunde auf einen Einfluss der Krisenberichterstattung auf die Ratspräsidentschaftsberichterstattung 2014 hin:

  • 2014 werden mehr Stereotypenkategorien bedient als 2003,
  • 2014 existieren mehr Artikel mit stereotypen Bewertungen als 2003,
  • 2014 wird mehr auf Personenebene stereotypisiert als 2003,
  • 2014 sind Leistung und Charakter von höchstem Interesse, 2003 der Charakter,
  • 2014 wird vorurteilshaft berichtet, 2003 nicht,
  • 2014 wird negativer berichtet als 2003.

Obwohl die Inhalte der Stereotype gemäß der Annahme des Radikalen Konstruktivismus keine überprüfbaren Tatsachen, sondern lediglich Konstrukte darstellen, sind ihre Konsequenzen real. Negative Nationenbilder begünstigen zwischenstaatliche Spannungen und auch politische Entscheidungsträger können sich dem Einfluss von Stereotypen auf ihr Verhalten nicht entziehen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten an, dass nicht nur reale Umstände, sondern auch ihre stereotypengeprägte Wahrnehmung wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden anrichten können. Dennoch lohnt der Blick nach vorn. Und so schließt dieses Fazit mit einem Zitat aus der Untersuchung „Die Rolle von Images in der Politik“ (erschienen im Band Völker und Nationen im Spiegel der Medien, 1989) von H. Nicklas und Ä. Ostermann, bei dem es sich durchaus um eine schöne Idealvorstellung handelt. Diese sollte vor allem bei Journalisten angesichts ihrer großen Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit Beachtung finden: Was kann man tun? Notwendig ist vor allem die kritische Überprüfung unserer eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten. Die Regeln unserer Wahrnehmung und Interpretation von Realität sind uns normalerweise so unbewusst wie die Regeln der Sprache, die wir sprechen. Wir halten sie für ‚normal‘, für realitätsangemessen und unproblematisch. Images werden von uns für Realität genommen und selbst dann, wenn wir mit Images konfrontiert werden, die andere von uns haben, reagieren wir zunächst mit Abwehr. […] Dabei wäre das Hinterfragen des Selbstbildes und der Bilder, die wir von anderen haben, die Voraussetzung für ein realitätsgerechteres Handeln.

Aus: Joana Papageorgiou, Griechenland-Stereotype in der deutschen Presse. Die Berichterstattung über die griechische EU-Ratspräsidentschaft im Kontext der Krise, Masterarbeit FU Berlin, 2014.